Problematische Zusatzstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln
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Die Zutatenliste lesen
Nicht alles, was als “Gesundheitsprodukt” verkauft wird, ist automatisch unbedenklich. Viele Supplements enthalten Zusatzstoffe, deren Langzeitwirkung fragwürdig ist.
Künstliche Süssstoffe
Sucralose (E955)
Sucralose ist ein chlorierter Zucker, der etwa 600-mal süsser als Saccharose ist. Er wurde ursprünglich als sicher eingestuft, aber neuere Forschung wirft Fragen auf.
Was die Forschung zeigt:
Eine Studie von Bian et al. (2017) im Journal of Toxicology and Environmental Health fand: Sucralose verändert die Zusammensetzung der Darmmikrobiota bei Mäusen – auch bei Dosierungen unterhalb des ADI (Acceptable Daily Intake).
Eine Humanstudie von Suez et al. (2022) im Cell zeigte: Sucralose (und andere Süssstoffe) können individuelle glykämische Reaktionen beeinflussen und die Darmflora verändern.
Wichtige Einschränkung: Die Evidenz ist nicht eindeutig. Manche Studien finden keine negativen Effekte. Die Forschung ist noch im Gange.
Aspartam (E951)
Aspartam wurde intensiv untersucht und von Behörden (EFSA, FDA) als sicher eingestuft. Allerdings klassifizierte die WHO/IARC Aspartam 2023 als “möglicherweise krebserregend” (Gruppe 2B) – basierend auf limitierter Evidenz.
Kontext: Gruppe 2B bedeutet nicht “gefährlich”, sondern “mehr Forschung nötig”. Auch Aloe Vera und eingelegtes Gemüse sind in dieser Kategorie.
Acesulfam-K (E950)
Weniger untersucht als Sucralose oder Aspartam. Einzelne Tierstudien zeigen Veränderungen im Glukosestoffwechsel, aber die Humanvidenz ist begrenzt.
Emulgatoren
Emulgatoren verbessern Textur und Haltbarkeit, können aber die Darmbarriere beeinflussen.
Polysorbat 80 (E433) und Carboxymethylcellulose (E466)
Eine vielbeachtete Studie von Chassaing et al. (2015) im Nature zeigte: Diese Emulgatoren können bei Mäusen:
- Die Schleimschicht des Darms verdünnen
- Entzündungsmarker erhöhen
- Veränderungen in der Mikrobiota verursachen
Einschränkungen:
- Tierstudien sind nicht direkt auf Menschen übertragbar
- Die Dosierungen in Studien sind oft höher als im normalen Konsum
- Individuelle Reaktionen variieren stark
Eine systematische Übersichtsarbeit von Bancil et al. (2021) fand: Die Evidenz für negative Effekte von Emulgatoren beim Menschen ist noch limitiert, aber besorgniserregend genug für weitere Forschung.
Künstliche Farbstoffe
Einige künstliche Farbstoffe (besonders Azo-Farbstoffe) wurden mit Hyperaktivität bei Kindern in Verbindung gebracht. Eine Meta-Analyse von Nigg et al. (2012) fand kleine, aber signifikante Effekte.
In der EU müssen Produkte mit bestimmten Farbstoffen einen Warnhinweis tragen.
Was bedeutet das praktisch?
Nicht in Panik verfallen
Die meisten Menschen konsumieren diese Stoffe in geringen Mengen ohne offensichtliche Probleme. Die Dosis macht das Gift.
Vorsichtsprinzip bei regelmässigem Konsum
Wer täglich Supplements nimmt, summiert die Exposition. Hier kann es sinnvoll sein, Produkte ohne diese Zusatzstoffe zu wählen.
Auf die Zutatenliste achten
Häufig in Protein-Pulvern:
- Sucralose als Süssung
- Acesulfam-K in Kombination
- Lecithine als Emulgator (unbedenklich)
- Xanthan als Verdickungsmittel (unbedenklich)
Bessere Alternativen:
- Stevia (natürlicher Ursprung, gut untersucht)
- Monk Fruit (Luo Han Guo)
- Ungesüsste Produkte
- Natürliche Aromen ohne Süssung
Qualitätsmerkmale guter Supplements
- Kurze Zutatenliste: Weniger ist oft mehr
- Keine künstlichen Süssstoffe: Oder nur natürliche Alternativen
- Keine unnötigen Füllstoffe: Maltodextrin, Dextrose als Streckmittel
- Transparente Herkunft: Angaben zu Rohstoffquellen
- Unabhängige Tests: Zertifizierungen wie Informed Sport
Fazit
Die Forschung zu Zusatzstoffen entwickelt sich. Was heute als sicher gilt, kann morgen anders bewertet werden. Bei täglichem Konsum von Supplements ist es sinnvoll, Produkte mit möglichst wenigen Zusatzstoffen zu wählen – nicht aus Panik, sondern aus Vorsicht.
Quellen:
- Suez J et al. (2022). Personalized microbiome-driven effects of non-nutritive sweeteners on human glucose tolerance. Cell.
- Chassaing B et al. (2015). Dietary emulsifiers impact the mouse gut microbiota promoting colitis and metabolic syndrome. Nature.
- Bian X et al. (2017). The artificial sweetener acesulfame potassium affects the gut microbiome and body weight gain in CD-1 mice. PLOS ONE.
- Bancil AS et al. (2021). Food Additive Emulsifiers and Their Impact on Gut Microbiome, Permeability, and Inflammation. Journal of Crohn’s and Colitis.
- IARC (2023). IARC Monographs evaluate the carcinogenicity of aspartame, methyleugenol, and isoeugenol.
Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschliesslich zu Bildungszwecken und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultiere bitte eine Fachperson.